Garten-Lexikon · Stauden & Kräuter

Storchschnabel

Die Staude, die fast alles kann: blüht monatelang, unterdrückt Beikraut, kommt mit Sonne wie Schatten zurecht — und dankt einen einzigen beherzten Schnitt mit einer zweiten Blüte.

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Kurz erklärt

Storchschnabel wird nach der ersten Blüte im Juni oder Juli bodennah zurückgeschnitten — radikal, eine Handbreit über dem Boden. Es folgen frisches Laub und meist eine zweite Blüte. Der Winterrückschnitt erfolgt erst im Spätwinter.

Storchschnabel
Botanisch
Geranium spp.
Sommerschnitt
Nach der Blüte bodennah, Juni/Juli
Winterschnitt
Erst Februar/März
Standort
Je nach Art sonnig bis schattig
Boden
Normal bis mager, kein Dünger nötig
Teilung
Alle 3–5 Jahre im Frühjahr

Schnittzeiten im Jahresverlauf

JanFebMär AprMaiJun JulAugSep OktNovDez

Dunkelgrün: idealer Zeitpunkt · Hellgrün: möglich oder eingeschränkt · Ohne Markierung: nicht empfohlen

Zum vollständigen Schnittkalender — dort sehen Sie alle Pflanzen im Vergleich und die Begründung für jeden einzelnen Monat.

Der Remontierschnitt — radikal und richtig

Nach der Hauptblüte werden die Horste unansehnlich: Das Laub wird fleckig, die Blütenstiele liegen auseinander. Der Reflex, nur die Blütenstiele zu entfernen, führt zu einem halbherzigen Ergebnis. Richtig ist der komplette Rückschnitt bodennah, etwa eine Handbreit über der Erde.

Das sieht für zwei Wochen kahl aus. Danach treibt die Pflanze frisches, sattgrünes Laub, und die meisten Sorten blühen ein zweites Mal — bei einigen bis in den Herbst. Wer anschließend gut wässert, beschleunigt den Neuaustrieb deutlich.

Der Zeitpunkt richtet sich nach der Sorte: früh blühende Arten sind schon im Juni so weit, andere erst im Juli.

Foto 1 folgt
Horst direkt nach dem Remontierschnitt
Horst direkt nach dem Remontierschnitt

Winterrückschnitt: erst im Februar

Das verbliebene Laub bleibt über den Winter stehen. Es schützt den Wurzelstock, und die Samenstände einiger Arten sind Vogelnahrung. Erst im Februar oder März, kurz vor dem Neuaustrieb, wird alles Alte bodennah entfernt.

Ausnahme sind wintergrüne Arten wie Geranium macrorrhizum, deren Laub den Winter über attraktiv bleibt — hier genügt es, im Frühjahr die braunen Blätter herauszuzupfen.

Die richtige Art für den Standort

  • Geranium macrorrhizum (Balkan-Storchschnabel): der beste Bodendecker für trockenen Schatten unter Gehölzen — wurzelkonkurrenzfest, wintergrün, duftendes Laub.
  • Geranium × cantabrigiense: kompakt, flächig, ideal für Beeteinfassungen.
  • Geranium „Rozanne": blüht von Juni bis zum Frost durch, braucht keinen Remontierschnitt — die zuverlässigste Dauerblüherin im Beet.
  • Geranium sanguineum (Blut-Storchschnabel): für sonnige, trockene, magere Standorte und Steingärten.
  • Geranium pratense (Wiesen-Storchschnabel): heimisch, hoch, für naturnahe Beete und Wiesenränder.
Foto 2 folgt
Storchschnabel als flächiger Bodendecker
Storchschnabel als flächiger Bodendecker

Standort, Boden und Pflege

Je nach Art sonnig bis schattig; die meisten Sorten sind ausgesprochen tolerant. Der Boden darf normal bis mager sein — Storchschnabel braucht weder viel Dünger noch besondere Pflege. Auf nährstoffreichen Böden wachsen die Horste weich und fallen leichter auseinander.

Alle drei bis fünf Jahre lohnt die Teilung im Frühjahr: Der Horst wird ausgegraben, mit dem Spaten geteilt und neu gesetzt. Das verjüngt die Pflanze und liefert Nachschub für andere Beetstellen.

Ökologischer Wert

Storchschnabel ist eine hervorragende Bienen- und Hummelweide, besonders die heimischen Arten und einfachblühende Sorten. Der lange Blühzeitraum von Mai bis in den Herbst macht ihn zu einer verlässlichen Nahrungsquelle über Monate — ein starkes Argument, ihn großflächig statt vereinzelt zu setzen.

Als flächiger Bodendecker verdrängt er zudem Beikraut so wirksam, dass er in Pflanzkonzepten für pflegearme Gärten kaum zu ersetzen ist.

Häufige Fehler aus der Praxis

Der häufigste Fehler ist der zu zaghafte Sommerschnitt — nur die Blütenstiele zu entfernen bringt weder frisches Laub noch die zweite Blüte. Zweitens der Rückschnitt im Herbst, der dem Wurzelstock den Winterschutz nimmt. Und drittens die Wahl der falschen Art für den Standort: Wer eine sonnenliebende Art in den Schatten setzt, bekommt Laub statt Blüten.

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