Garten-Lexikon · Stauden & Kräuter
Lavendel
Kaum eine Pflanze wird häufiger falsch geschnitten — und kaum eine quittiert es so unerbittlich: Lavendel treibt aus altem Holz nicht mehr aus.
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Kurz erklärt
Lavendel wird zweimal jährlich geschnitten: im Frühjahr (März/April) um etwa zwei Drittel und nach der Blüte im August um ein Drittel. Beide Male gilt: immer im grünen Bereich bleiben, niemals ins verholzte Innere schneiden.
- Botanisch
- Lavandula angustifolia
- Frühjahrsschnitt
- März/April, um zwei Drittel
- Sommerschnitt
- Nach der Blüte im August, um ein Drittel
- Wichtigste Regel
- Nie ins verholzte, graue Innere schneiden
- Standort
- Vollsonnig, mager, kalkhaltig, durchlässig
- Häufigste Todesursache
- Staunässe, nicht Frost
Schnittzeiten im Jahresverlauf
Dunkelgrün: idealer Zeitpunkt · Hellgrün: möglich oder eingeschränkt · Ohne Markierung: nicht empfohlen
Zum vollständigen Schnittkalender — dort sehen Sie alle Pflanzen im Vergleich und die Begründung für jeden einzelnen Monat.
Der Zwei-Schnitt-Rhythmus
Der Frühjahrsschnitt ist der wichtigere. Sobald die Frostgefahr weitgehend vorbei ist — meist Ende März bis Mitte April — wird der gesamte Busch um etwa zwei Drittel eingekürzt, zu einer gleichmäßigen Halbkugel. Ziel ist ein kompakter Polsterwuchs, aus dem viele neue Triebe kommen.
Der Sommerschnitt folgt direkt nach der Blüte, etwa im August. Er entfernt die abgeblühten Stiele plus eine Handbreit Grün. Das verhindert Samenbildung, hält die Form und regt bei manchen Sorten eine Nachblüte an. Später als Ende August sollte nicht mehr geschnitten werden — der Neutrieb reift sonst nicht aus und friert zurück.
Warum das alte Holz tabu ist
Im verholzten, grauen Inneren des Busches sitzen keine schlafenden Augen. Schneidet man dorthin, entsteht eine kahle Stelle, die dauerhaft bleibt. Genau daran gehen die meisten Lavendel ein: Sie werden jahrelang gar nicht geschnitten, verholzen von innen, fallen auseinander — und der späte Rettungsversuch mit dem Radikalschnitt gibt ihnen den Rest.
Ein bereits auseinandergefallener Lavendel lässt sich nur begrenzt retten: Man kann versuchen, über zwei bis drei Jahre schrittweise ins knapp grüne Holz zurückzuschneiden. Ehrlicher ist meist der Neukauf — und dann von Anfang an konsequent zweimal jährlich schneiden.
Verholztes Zentrum eines alten Lavendels
Standort und Boden — mediterran denken
Lavendel will das, was er in der Provence hat: volle Sonne, durchlässigen, mageren, kalkhaltigen Boden und wenig Wasser. Auf schweren, feuchten oder gut gedüngten Böden wächst er weich, blüht schwach und stirbt oft im Winter — nicht am Frost, sondern an der Nässe.
Auf lehmigen Böden hilft eine Pflanzung auf einem kleinen Hügel mit reichlich eingearbeitetem Sand oder Splitt. Eine mineralische Mulchschicht aus Kies statt Rindenmulch passt besser zu seinen Ansprüchen und hält den Wurzelhals trocken.
Gedüngt wird praktisch nicht. Der häufigste Kunstfehler ist gut gemeinter Kompost, der zu üppigem, frostempfindlichem Wuchs führt.
Lavendel mit Kiesmulch am Wurzelhals
Ernte und Verwendung
Für Duft und Aroma wird geerntet, sobald sich die ersten Blüten der Ähre öffnen — dann ist der Gehalt an ätherischen Ölen am höchsten. Am besten an einem trockenen, sonnigen Vormittag schneiden. Kopfüber gebündelt an einem luftigen, schattigen Ort trocknen.
Echter Lavendel (Lavandula angustifolia) ist winterhart und duftet fein; Schopflavendel und viele Hybriden sind es nicht und müssen frostfrei überwintern.
Typische Probleme
- Auseinanderfallender Busch: Folge des fehlenden Schnitts — kaum reparabel.
- Absterben im Winter: fast immer Staunässe, nicht Frost.
- Wenig Blüte, weicher Wuchs: zu nährstoffreicher Boden oder zu viel Schatten.
- Zikadenschaum („Kuckucksspucke"): harmlos, kein Handlungsbedarf.
Häufige Fehler aus der Praxis
Der Fehler Nummer eins ist der ausgelassene Frühjahrsschnitt — er führt über wenige Jahre zwangsläufig zum verholzten, auseinanderfallenden Busch. Zweitens der Schnitt ins alte Holz, der dauerhafte Lücken hinterlässt. Und drittens der zu späte Sommerschnitt im September, nach dem der Neutrieb ungeschützt in den Winter geht.
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