Garten-Lexikon · Bäume & Obstgehölze
Kirschbaum
Süß- oder Sauerkirsche, Schnitt nach der Ernte, Gummifluss vermeiden: die Kirsche verzeiht Fehler weniger als der Apfel — dafür belohnt sie richtige Pflege schnell.
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Kurz erklärt
Kirschen werden direkt nach der Ernte geschnitten, also im Juli oder August — nicht im Winter. Der Grund ist das Steinobstholz: Bei kühler, feuchter Witterung dringen über Schnittwunden Gummifluss und Monilia ein. Ein Schnitt bei trockenem, warmem Wetter verheilt dagegen innerhalb weniger Wochen.
- Botanisch
- Prunus avium (Süßkirsche) / Prunus cerasus (Sauerkirsche)
- Schnitt
- Direkt nach der Ernte, Juli bis August
- Standort
- Sonnig und warm, windgeschützt
- Boden
- Durchlässig, kalkverträglich, keine Staunässe
- Blüte
- April
- Ernte
- Ende Mai bis Ende Juli, je nach Sorte
Schnittzeiten im Jahresverlauf
Dunkelgrün: idealer Zeitpunkt · Hellgrün: möglich oder eingeschränkt · Ohne Markierung: nicht empfohlen
Zum vollständigen Schnittkalender — dort sehen Sie alle Pflanzen im Vergleich und die Begründung für jeden einzelnen Monat.
Süßkirsche und Sauerkirsche werden unterschiedlich geschnitten
Das ist der Unterschied, der in den meisten Ratgebern untergeht. Die Süßkirsche trägt überwiegend an mehrjährigem Holz, an sogenannten Blütenbüscheln. Sie wird sparsam geschnitten: Krone auslichten, zu steile Äste entfernen, alte Partien gelegentlich auf jüngeres Holz ableiten.
Die Sauerkirze — etwa die Schattenmorelle — trägt dagegen fast ausschließlich am einjährigen Trieb des Vorjahres. Wer sie nicht schneidet, bekommt kahle, überhängende Peitschen mit Früchten nur noch an den Spitzen. Hier gilt: jedes Jahr abgetragene Triebe konsequent auf einen jüngeren Seitentrieb ableiten, damit ständig neues Fruchtholz nachwächst.
Warum nicht im Winter geschnitten wird
Steinobst reagiert auf Verletzungen mit Gummifluss — bernsteinfarbenem, zähem Harz an der Wunde. Dahinter steckt meist ein Pilz- oder Bakterienbefall, der in kühler Feuchtigkeit leichtes Spiel hat. Im Juli und August ist das Gewebe aktiv, die Wundheilung läuft schnell, und die Sporenbelastung ist geringer. Schneiden Sie deshalb an einem trockenen Tag mit einigen trockenen Tagen in Aussicht — nicht im Regen und nicht kurz davor.
Gummifluss an der Rinde
Standort, Boden und Befruchtung
Kirschen wollen Sonne, Wärme und vor allem durchlässigen Boden. Staunässe ist ihr schnellster Killer; auf schweren, verdichteten Böden hilft nur eine Pflanzung auf einem leichten Hügel mit eingearbeitetem Sand und Kompost. Der pH-Wert darf ruhig kalkbetont sein — im Gegensatz zu vielen anderen Obstarten kommt die Kirsche mit unseren kalkhaltigen Böden gut zurecht.
Ein Punkt, der oft für Enttäuschung sorgt: Die meisten Süßkirschsorten sind selbstunfruchtbar und brauchen eine passende Befruchtersorte in der Nähe. Bleibt ein gesunder, blühender Baum jahrelang ohne Ertrag, liegt es fast immer daran. Sauerkirschen sind dagegen in der Regel selbstfruchtbar.
Düngung, Wasser und Baumscheibe
Kirschen sind vergleichsweise genügsam. Eine Kompostgabe im Frühjahr reicht meist aus; Überdüngung mit Stickstoff führt zu weichem Trieb, der anfällig für Monilia ist. Wichtiger als Dünger ist eine gleichmäßige Wasserversorgung während der Fruchtbildung: Wechselt starke Trockenheit mit plötzlichem Regen, platzen die Früchte kurz vor der Ernte auf.
Typische Krankheiten und Schädlinge
- Monilia-Spitzendürre: Triebspitzen welken kurz nach der Blüte schlagartig, die Blätter bleiben braun hängen. Befallene Triebe bis weit ins gesunde Holz zurückschneiden und entsorgen — nicht kompostieren.
- Gummifluss: Symptom, nicht Ursache. Auslöser sind Wunden, Frostrisse, Staunässe oder Überdüngung. Harz vorsichtig entfernen und die Ursache abstellen.
- Kirschfruchtfliege: die Made in der reifen Frucht. Frühe Sorten entgehen ihr meist; Gelbtafeln ab Mitte Mai zeigen den Flug an. Fallobst konsequent aufsammeln.
- Schrotschusskrankheit: kleine, später ausfallende Blattflecken. Luftige Kronen und das Entfernen von Falllaub reduzieren den Befall deutlich.
Monilia-Spitzendürre nach der Blüte
Ernte
Kirschen reifen je nach Sorte von Ende Mai bis Ende Juli und reifen nach der Ernte nicht nach — sie müssen also reif gepflückt werden. Für den Frischverzehr wird mit Stiel geerntet, das hält die Frucht deutlich länger haltbar. Und der beste Vogelschutz bleibt ein Netz: Alles andere kostet Nerven und wirkt selten.
Häufige Fehler aus der Praxis
Der klassische Fehler ist der Winterschnitt aus Gewohnheit — was beim Apfel richtig ist, schadet der Kirsche. Zweiter Dauerbrenner: die unbehandelte Monilia-Spitzendürre. Wer die braunen Triebe hängen lässt, verteilt die Sporen im nächsten Frühjahr über den ganzen Baum. Und drittens der Schnitt zu vieler starker Äste auf einmal: Die Kirsche antwortet mit einem Wald aus steilen Wassertrieben. Lieber über zwei bis drei Jahre verteilt eingreifen.
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