Garten-Lexikon · Bäume & Obstgehölze
Haselnuss
Robust, schnellwüchsig und in fast jedem älteren Garten zu finden: die Haselnuss braucht wenig — außer einem regelmäßigen Auslichtungsschnitt, sonst wird sie zum undurchdringlichen Dickicht.
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Kurz erklärt
Die Haselnuss wird im Winter (Januar bis Februar) ausgelichtet, außerhalb der gesetzlichen Schonzeit. Sie wächst mehrstämmig aus dem Boden und verjüngt sich über neue Bodentriebe. Das Prinzip ist einfach: jedes Jahr die ältesten Stämme bodennah entfernen, die kräftigsten jungen stehen lassen.
- Botanisch
- Corylus avellana
- Wuchs
- Mehrstämmiger Strauch, 3–6 m
- Schnitt
- Auslichten im Winter, Januar bis Februar
- Standort
- Sonnig bis halbschattig
- Boden
- Anspruchslos, kalkverträglich, keine Staunässe
- Ernte
- Ende August bis September
Schnittzeiten im Jahresverlauf
Dunkelgrün: idealer Zeitpunkt · Hellgrün: möglich oder eingeschränkt · Ohne Markierung: nicht empfohlen
Zum vollständigen Schnittkalender — dort sehen Sie alle Pflanzen im Vergleich und die Begründung für jeden einzelnen Monat.
Wie die Haselnuss wächst — und warum das den Schnitt bestimmt
Die Haselnuss ist kein Baum mit einem Stamm, sondern ein Strauch mit vielen. Aus dem Wurzelstock treiben laufend neue Ruten nach. Ein Stamm ist etwa im Alter von sechs bis acht Jahren am ertragreichsten, danach lässt die Fruchtbarkeit nach und er beschattet nur noch.
Daraus ergibt sich der Pflegeschnitt fast von selbst: Jährlich zwei bis drei der ältesten, dicksten Stämme bodennah absägen und dafür ebenso viele kräftige junge Triebe stehen lassen. Über wenige Jahre entsteht so ein dauerhaft verjüngter Strauch mit acht bis zwölf Stämmen unterschiedlichen Alters — luftig, gut zu beernten und ohne Verkahlung im Inneren.
Bodennah entfernter Altstamm
Die Schonzeit gilt auch hier
Als Strauch fällt die Haselnuss unter § 39 Abs. 5 BNatSchG: Ein Auf-den-Stock-Setzen oder das Entfernen ganzer Sträucher ist vom 1. März bis 30. September untersagt. Schonende Pflegeschnitte bleiben erlaubt, sofern keine Vögel darin brüten — und die Haselnuss ist ein beliebter Brutstrauch. Prüfen Sie vor jedem Eingriff die dichteren Partien.
Praktischer Nebeneffekt des Winterschnitts: Ohne Laub sehen Sie die Struktur, und die charakteristischen Kätzchen zeigen bereits, wo im Frühjahr die männlichen Blüten sitzen.
Standort, Boden und Befruchtung
Die Haselnuss ist anspruchslos und wächst auf fast jedem Boden, solange er nicht dauerhaft nass ist. Sie verträgt Halbschatten, trägt in voller Sonne aber deutlich besser. Kalkhaltige Böden sind kein Problem — ein Grund, warum sie in unserer Region so verbreitet ist.
Für einen guten Ertrag braucht es zwei verschiedene Sorten, die sich gegenseitig befruchten. Die Blüte fällt in den Spätwinter, oft schon in den Februar, und wird vom Wind bestäubt: Ein einzelner Strauch ohne Partner in der Nachbarschaft bleibt oft erstaunlich ertragsarm. Wildhasel als Befruchter in der Umgebung genügt meist.
Pflege, Ausläufer und Ernte
Gedüngt werden muss die Haselnuss selten; eine Kompostgabe im Frühjahr reicht völlig. Wichtiger ist die Kontrolle der Wurzelausläufer: Veredelte Sorten wie die Lambertsnuss treiben unterhalb der Veredelungsstelle Wildtriebe, die die Sorte überwachsen. Diese Ausläufer werden möglichst tief am Ursprung abgerissen, nicht abgeschnitten.
Geerntet wird von Ende August bis in den September, wenn die Nüsse von selbst aus der Hülle fallen. Wer vom Strauch pflückt, erntet zu früh. Die Nüsse anschließend zwei bis drei Wochen luftig trocknen lassen, dann sind sie monatelang lagerfähig.
Wurzelausläufer am Strauchfuß
Wenn die Haselnuss zu groß geworden ist
Ein völlig vernachlässigter Strauch mit fünf Metern Höhe lässt sich radikal verjüngen: Im Winter alle Stämme bodennah absägen. Die Haselnuss treibt aus dem Wurzelstock zuverlässig wieder aus — der Ertrag setzt allerdings erst nach drei bis vier Jahren wieder ein. Schonender ist die Verjüngung über drei Jahre, bei der jeweils ein Drittel entfernt wird; so bleibt jedes Jahr etwas Ertrag erhalten.
Der Haselnussbohrer
Findet sich ein sauberes Loch in der Nuss, war der Haselnussbohrer am Werk: ein Rüsselkäfer, dessen Larve im Kern heranwächst und sich zur Verpuppung nach draußen frisst. Wirksamste Maßnahme ohne Chemie ist das konsequente Aufsammeln und Entsorgen aller befallenen Nüsse und des Fallobstes, damit sich die Larven nicht im Boden verpuppen können.
Häufige Fehler aus der Praxis
Der häufigste Fehler ist, die Haselnuss wie eine Hecke oben einzukürzen. Das erzeugt dichte Besenwuchs an den Spitzen, während der Strauch innen verkahlt und der Ertrag zurückgeht — richtig ist immer die Entnahme ganzer Stämme am Boden. Zweiter Fehler: Ausläufer abschneiden statt abreißen; geschnittene Ausläufer treiben mehrfach wieder aus. Und drittens der Schnitt im Frühjahr während der Brutzeit — rechtlich riskant und ökologisch unnötig, weil der Winter ohnehin der bessere Zeitpunkt ist.
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