Garten-Lexikon · Leistungen erklärt

Gehölz- und Strauchschnitt

Der Unterschied zwischen einem gepflegten und einem verstümmelten Strauch liegt in einer einzigen Entscheidung: ganze Triebe entnehmen statt Spitzen kappen.

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Kurz erklärt

Beim Strauchschnitt gilt: Frühjahrsblüher direkt nach der Blüte, Sommerblüher im Spätwinter. Starke Rückschnitte sind nur von 1. Oktober bis 28. Februar zulässig (§ 39 BNatSchG). Ausgelichtet wird durch Entnahme ganzer Triebe an der Basis.

Frühjahrsblüher
Direkt nach der Blüte schneiden
Sommerblüher
Kräftiger Rückschnitt im Spätwinter
Technik
Ganze Triebe an der Basis entnehmen, nicht Spitzen kappen
Schonzeit
Starker Rückschnitt nur 1. Okt bis 28. Feb
Verjüngung
Radikal im Winter oder über drei Jahre verteilt
Achtung
Thuja und Koniferen treiben nicht aus altem Holz

Zeitfenster im Jahresverlauf

JanFebMär AprMaiJun JulAugSep OktNovDez

Dunkelgrün: starker Rückschnitt und Verjüngung erlaubt · Hellgrün: schonender Form- und Pflegeschnitt · Ohne Markierung: —

Die eine Regel: Wo blüht der Strauch?

Alle Verwirrung um Schnittzeitpunkte löst sich mit einer Frage auf: Blüht der Strauch am Vorjahresholz oder am diesjährigen Trieb?

Frühjahrsblüher — Forsythie, Flieder, Weigelie, Deutzie, Kolkwitzie, Zierkirsche — legen ihre Knospen im Sommer des Vorjahres an. Sie werden direkt nach der Blüte geschnitten. Wer sie im Winter schneidet, entfernt die komplette Blüte.

Sommerblüher — Sommerflieder, Garteneibisch, Rispenhortensie, Japanspiere — blühen am neuen Holz. Sie werden im Spätwinter kräftig zurückgenommen; je stärker, desto größer die Blüten.

Im Zweifel hilft die Beobachtung: Blüht der Strauch vor Ende Juni, gehört er zur ersten Gruppe.

Auslichten statt Einkürzen

Der zweite Grundsatz betrifft die Technik. Sträucher blühen am zwei- bis dreijährigen Holz; ältere Triebe blühen kaum noch, beschatten aber das Innere. Richtig ist deshalb, jährlich zwei bis drei der ältesten Triebe bodennah zu entnehmen und junge Bodentriebe stehen zu lassen.

Das Gegenteil — das Kappen aller Triebspitzen, der sogenannte Kugelschnitt — erzeugt an jeder Schnittstelle mehrere neue Triebe. Der Strauch wird außen dicht und innen kahl, verliert seine natürliche Form und blüht von Jahr zu Jahr weniger. Er sieht dabei paradoxerweise voller aus, was den Fehler so langlebig macht.

Abgeblühte Triebe werden zusätzlich auf einen kräftigen Seitentrieb abgeleitet — das erhält bogige Wuchsformen bei Deutzie, Kolkwitzie oder Forsythie.

Foto 1 folgt
Bodennah entnommener Altrieb
Bodennah entnommener Altrieb

Die gesetzliche Schonzeit

Nach § 39 Abs. 5 BNatSchG ist es verboten, Hecken, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis 30. September abzuschneiden, auf den Stock zu setzen oder zu beseitigen. Zulässig bleiben schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses — vorausgesetzt, es werden keine brütenden Vögel gestört.

Praktisch heißt das: Verjüngung und Radikalschnitt gehören in den Winter, Formschnitt ist auch im Sommer möglich. Und vor jedem Sommerschnitt gehört der Blick ins Gehölz — ein besetztes Nest macht auch den zulässigen Pflegeschnitt zur Ordnungswidrigkeit.

Verjüngung alter Sträucher

Ein völlig vernachlässigter Strauch lässt sich in den meisten Fällen retten. Zwei Wege stehen offen: der Radikalschnitt auf zwanzig bis vierzig Zentimeter im Winter — schnell, kostet aber ein bis zwei Jahre Blüte — oder die Verjüngung über drei Jahre, bei der jährlich ein Drittel der Altriebe entfernt wird und der Strauch durchgehend blüht.

Nicht jedes Gehölz verträgt beides: Liguster, Hainbuche, Eibe, Holunder und die meisten Laubsträucher treiben zuverlässig aus altem Holz. Thuja und andere Koniferen außer der Eibe nicht — dort ist ein Rückschnitt ins braune Holz irreversibel.

Werkzeug und Schnittführung

Sauberer Schnitt heißt scharfes Werkzeug. Gequetschte Triebe verheilen schlecht und sind Eintrittspforten für Pilze. Geschnitten wird knapp über einem nach außen zeigenden Auge oder direkt am Astring — nie mit Stummel, der abstirbt und Fäule in den Trieb trägt.

Wundverschlussmittel sind bei kleinen Schnitten überflüssig und bei großen umstritten, weil sie Feuchtigkeit einschließen. Saubere, glatte Schnitte an der richtigen Stelle sind die beste Wundbehandlung.

Foto 2 folgt
Sauberer Schnitt am Astring
Sauberer Schnitt am Astring

Häufige Fehler aus der Praxis

Der häufigste Fehler ist der pauschale Formschnitt mit der Heckenschere über alle Sträucher hinweg — er kostet Blüte und Form zugleich. Zweitens der Schnitt der Frühjahrsblüher im Winter. Und drittens der Radikalschnitt an Thuja und anderen Koniferen, der als einziger dieser Fehler nicht mehr zu korrigieren ist.

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